Müssen wir einschreiten? Wie weit es noch?

Heute Abend bin ich auf einen Post vom Greenpeace-Magazin gestoßen der mich irgendwie „wach“ gerüttelt und aufhorchen lassen hat. Ich möchte ihn einfach halber zitieren:

Lan-Party für die Wissenschaft: Aktivisten sichern Klimadaten vor Trump

Alles sichern, bevor es verschwindet. Das war bis jetzt die Maxime der Studenten, Hacker und Wissenschaftler, die in den letzten Wochen Klimadaten von US-Regierungsseiten gespeichert haben. Ihr nächstes Ziel: Sie wollen vorgenommene Änderungen analysieren und ihr Netzwerk dezentraler ausbreiten.

Renee Bell wird seinen Samstag vor dem Laptop verbringen. Zusammen mit 260 anderen Studenten und Mitarbeitern des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston. Der Mathematikstudent und seine Mitstreiter werden Webseiten speichern, deren Änderungen verfolgen, Leitfäden schreiben. „Viele Wissenschaftler, die vorher nichts mit Umweltfragen zu tun hatten, engagieren sich plötzlich“, sagt Bell. „Auch mir war die Sache zu wichtig ist, um nichts zu tun.“

Nasa_dpa

Die amerikanische Weltraumorganisation Nasa forscht auch zu Klimaphänomenen wie El Niño. Foto: dpa

Was wie eine riesige Lan-Party aussehen wird, ist ein Kampf gegen das Vergessen – und das Löschen von wissenschaftlichen Daten. Allein dieses Wochenende finden in vier US-Städten solche Treffen statt. Dahinter stecken die Organisation „Environmental Data & Governance Initiative“ (EDGI) und die Plattform „DataRefuge“. Sie helfen, die Ereignisse zu strukturieren und stellen lokalen Aktivisten Software zur Verfügung. Ziel ist es, ein umfassendes Archiv aller Umwelt- und Klimadaten der staatlichen Internetseiten aufzubauen. Neuerdings nutzen die Aktivisten auch Programme, mit denen sie Änderungen auf Webseiten nachvollziehen können. Außerdem wollen sie Leute darin schulen, von überall aus Internetseiten zu durchsuchen, auch wenn das oft eine mühevolle Sisyphusarbeit ist.

„Die Sicherung der Daten ist ein immenser Aufwand“, sagt Susanne Dröge, Forscherin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, die die Klimapolitik der neuen US-Regierung untersucht. Doch die Angst vor dem Verschwinden von wertvollen Daten schätzt sie als berechtigt ein. Gleich nach dem Amtsantritt lieferte Donald Trump einen Vorgeschmack auf das, was viele befürchtet hatten, und ließ die Informationen zum Klimawandel von der Webseite des Weißen Hauses löschen. „Das Undenkbare ist plötzlich denkbar geworden mit der neuen US-Regierung“, sagt Dröge.

Solidarität und internationale Kooperationen zwischen Wissenschaftlern werden immer wichtiger

Auch Präsidenten vor Trump haben dem Klimawandel wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Zwar leugnete Obamas Vorgänger George W. Bush nicht das Phänomen an sich oder löschte gar wissenschaftliche Daten. Aber verbindliche Klimaziele standen auch bei ihm nicht auf der politischen Agenda. „Internationale Kooperationen wurden damals extrem wichtig“, sagt Dröge. Zum Beispiel die „Transatlantische Klimabrücke“ der Bundesregierung, in der sich amerikanische NGOs und progressive Bundesstaaten wie Kalifornien engagieren konnten und noch immer können. Oder internationale Konferenzen, bei denen sich US-Wissenschaftler mit europäischen Kollegen austauschen konnten. Bei der aktuellen US-Regierung sei es besonders wichtig, auch in Europa Solidarität zu zeigen. „Welche Allianzen für die Zusammenarbeit bei Klimafragen besonders geeignet sind, wird sich noch zeigen“, sagt Dröge.

So einfach, wie die Trump-Administration Daten im Internet löschen oder verstecken kann, so einfach soll es werden, sie von überall auf der Welt zu retten. „Wir haben viele Anfragen von Leuten, die nicht an unseren Treffen teilnehmen können und trotzdem helfen wollen“, sagt Renee Bell. Er und seine Mitstreiter am MIT werden nach ihrer Rettungsaktion am Samstag auf ihrer Webseite eine Anleitung veröffentlichen, wie von zu Hause aus Daten gesichert werden können. Auch die Plattform „DataRefuge“ arbeitet an dieser Vision. Privatpersonen in allen fünfzig US-Bundesstaaten und im Ausland sollen dezentral an der Rettung arbeiten können. Auf ihrer Webseite zeigen sie bereits jetzt Wege, wie jeder auf bedrohte Daten aufmerksam machen kann.

Dabei geht es um Seiten wie die der Abteilung „Earth Science“ der US-Weltraumbehörde Nasa. Am letzten Wochenende ist es 200 Aktivisten an der kalifornischen Elite-Universität Berkeley gelungen, einen Großteil der Nasa-Klimadaten zu sichern. Insgesamt wurden an einem Tag mehr als 8000 Seiten archiviert. In den USA ist die Nasa eine der wichtigsten Organisationen, die Klimamessungen durchführt.

Das legale Sichern der Daten erfolgt auf zwei unterschiedlichen Wegen: Eine Gruppe markiert einfach zu speichernde Seiten mit einem „Webcrawler“, ein Computerprogramm, das automatisch Daten analysieren kann. Momentaufnahmen der Seiten wurden direkt in der größten digitalen Sammlung, dem „Internet Archive“, gespeichert. Für stark verästelte Seiten mit vielen Unterkategorien oder Grafiken kamen sogenannte „bagger“ zum Einsatz. So heißen die Programmierer, die mithilfe von individuell geschriebenen Skripten auch die Inhalte dieser verschachtelten Seiten speichern können.

Datensicherung als Akt des Widerstandes gegen Trumps wissenschaftsfeindliche Politik

Emily Kearney, eine Biologie-Doktorandin an der Universität Berkeley, gehörte zur ersten Gruppe. Eine „Fußsoldatin“, wie sie sagt. Acht Stunden lang hat sie unter Neonlicht in der Bibliothek systematisch Seiten der Nasa durchforstet. Auch ohne Programmierkenntnisse konnte sie helfen. „Ich habe nach einem sinnvollen Weg gesucht, um mich gegen die Regierung zu positionieren“, sagt Kearney. „Für mich ist das Datensammeln eine wichtige und symbolische Geste, mit der ich meine tiefe Verachtung gegenüber Trump zeige.“

Emily

Wenn Emily Kearny nicht vor dem PC sitzt, forscht sie zur Befruchtung von Pflanzen wie hier in Ecuador.   Foto: privat

Nach ihrer ersten Erfahrung am Wochenende will Kearny weitere Workshops besuchen und bald ein eigenes Team von Datenrettern leiten. Für sie ist das Speichern von Informationen nach Donald Trumps Amtsantritt ein Kampf gegen die Zeit. „Diese Arbeit muss so schnell wie möglich gemacht werden“, sagt Kearney. „Täglich ändern sich Seiten.“

Ihr Engagement beschränkt die Doktorandin nicht nur auf das Internet. Sie plant, am 22. April 2017 beim „March for Science“ in Washington dabei zu sein. Angelehnt an den „Womens March“ im Januar wollen diesmal Wissenschaftler auf die Straße gehen. „Wir müssen als eine verlässliche Quelle öffentlich wahrgenommen werden“, fordert Kearney. Nur so könne man gegen Klimaskeptiker, Falschmeldungen und Donald Trump ankämpfen.

Für einige Aktivisten in Berkeley ist die Sicherung von Klimastatistiken erst der Anfang. Denn auch andere Datensätze aus Kultur, Geschichte oder Soziologie seien gefährdet. Sie denken bereits an die nächsten Schritte im Kampf um die Wahrheit in der „postfaktischen“ Zeit.

Hanna Gieffers“

Dieser Artikel und ein Artikel von Spiegel Online vom 14.12.2016, der mir in Erinnerung geblieben ist haben mich nun zum grübeln gebracht.

Müssen wir helfen? Immerhin sieht man doch das etwas so falsch ist und man nicht zu lassen kann oder?

Ich möchte jedenfalls auch meinen Beitrag zur Rettung der Daten bzw. Arbeit von so vielen Menschen beitragen. Nicht nur durch diesen Post, sondern selbst aktiv werden.

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